Die European Championship im Trial entscheidet sich dieses Jahr bei vier Läufen. Der AMC Biberach hat gleich zwei Fahrer die daran teilnehmen. Der siebzehnjährige Florian Ruedi startet im Junior Cup, der zweithöchsten Klasse, und wurde bei der ersten Veranstaltung in Pietramurata Dreizehnter. Die vierzehnjährige Linda Weber wurde bei ihrem Debut in der Klasse Woman international auf Anhieb Dritte.

Im Gelände von Petramurata/Italien waren jeweils fünfzehn Sektionen in einem vier Kilometer langen Rundkurs  für die Fahrer aufgebaut, gefahren wurden zwei Runden, als Zeitvorgabe waren viereinhalb Stunden angesetzt. Bei der EM ist es üblich, die Sektionen am Vortag anzuschauen, am Fahrtag selbst dürfen die Sektionen nicht mehr begangen werden. Die vorhandenen Sektions-Bedingungen waren für die AMC-Fahrer sehr ungewohnt: total loses Geröll, das von Fahrer zu Fahrer anders hingeschoben wurde. Die höheren Klassen boten für die Zuschauer spektakuläres: oft musste ein Hindernis angesprungen werden, um die Höhe zu bewältigen und natürlich wurde allen Fahrern ein hohes Maß an Technik abverlangt.

Linda Weber war etwas aufgeregt vor dem Start aufgrund der ungewohnten Gegebenheiten. Sie startete in der Klasse Woman international als eine der ersten Fahrerinnen. Bei der ersten Sektion war dann ein großes Zögern bei allen Fahrerinnen, keine wollte den Anfang machen. Linda Weber fasste sich ein Herz und fuhr trotz großer Anspannung als erste in die Sektion und verließ sie mit drei Punkten. Auch in den nächsten Sektionen haperte es noch ein bisschen aufgrund der Nervosität, aber dann fand sie zu ihrer gewohnten Form und konnte viele Sektionen fehlerfrei fahren. Sie beendete ihre erste Runde mit zwölf Fehlerpunkten und lag somit punktgleich mit einer Konkurrentin auf dem zweiten Platz. In der zweiten Runde kassierte sie zweimal fünf Strafpunkte: Zum einen stürzte sie bei einer Auffahrt mitsamt Minder den Hang hinunter, zum anderen verfehlte sie an einer engen Auffahrt über Felsen die Idealspur und scheiterte.  Sie beendete die zweite Runde mit 14 Fehlerpunkten und war nach knapp vier Stunden fertig. Sie verpasste den zweiten Platz um zwei Punkte, war aber überglücklich, gleich bei ihrer ersten EM als Dritte auf das Siegerpodest zu steigen.

Florian Ruedi startete am nächsten Tag in der zweithöchsten Klasse der Europameisterschaft. Die Sektionen waren sehr anspruchsvoll mit steilen Hangfahrten und riesigen Steinhindernissen sowie vielen Stufen hintereinander. Es mussten 15 Sektionen und zwei Runden gefahren werden. Ruedi war etwas gelassener als Weber, ist es doch schon sein drittes Jahr in der EM. Aber auch er haderte in den ersten Sektionen mit dem Untergrund. Die ersten Sektionen schaffte er nicht, doch auch die anderen Fahrer – es waren 30 in seiner Klasse- schafften die ersten Sektionen kaum. Bei Ruedi klappte es danach immer besser, doch an der zwölften und 14. Sektion bekam er fünf Strafpunkte aufgrund eines Stopps. Der Hintergrund: In der EM gilt ein anderes Reglement als in den nationalen Wettbewerben, es gilt die Sektionen ohne Stopp zu bewältigen. Diese zehn Strafpunkte bekam er zu Unrecht, selbst Zuschauer aus Italien protestierten gegen die Entscheidung des Punktrichters, doch er blieb bei seiner Entscheidung. Und so wurde Ruedi im eng beieinander liegenden Feld weit nach hinten durchgereicht. Nach der ersten Runde lag er auf dem  20. Platz, ohne diese zehn Punkte wäre er unter den ersten zehn gelandet. Mit ordentlicher Wut im Bauch ging Ruedi in die zweite Runde. Die ersten Sektionen klappten besser und er schaffte auch die nächsten hervorragend. Nur einmal bekam er noch eine Fünf, als er einen großen Stein nicht bewältigte. Durch diese Topleistung in Runde zwei verbesserte er sich auf den 13. Platz, ohne die nicht gerechtfertigten zehn Punkte der ersten Runde wäre es Platz sieben gewesen.

Die zwei Biberacher Trialer bleiben nun in Italien. Zunächst steht noch ein Training in Lazzate bei Como mit dem dmsj-Kader an, ehe es am Freitag weitergeht zum Formel-1-Kurs nahc Monza. Dort findet der zweite Lauf zur Trial EM statt.